
Marktupdate, 8. Oktober 2026
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Die Zuflüsse kühlten ab, die Renditen am langen Ende erreichten den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten und Bitcoin legte schrittweise zu
Die Mittelzuflüsse in Fonds für digitale Assets haben im Wochenverlauf an Dynamik verloren. Das ist eine deutliche Verlangsamung nach Zuflüssen von 11,1 Mrd. US-Dollar seit Mitte Juli. Ein großer Teil dieser früheren Nachfrage dürfte Käufe zu gedrückten Bewertungen widergespiegelt haben. Wir gehen zudem davon aus, dass Sorgen um die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen zu einem immer wichtigeren Teil der Allokationsentscheidung geworden sind.
Das Finanzministerium greift ein, doch ohne Erfolg
Die Renditen von US-Staatsanleihen sind trotz des ausgeweiteten staatlichen Rückkaufprogramms für lange Laufzeiten weiter gestiegen: Die zehnjährige Rendite kletterte über 5,3 %, die 30-jährige erreichte 5,7 % und damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten.1 Das Finanzministerium hat seine Eingriffe nicht eingestellt, sie angesichts steigender Renditen aber auch nicht ausgeweitet. Die Rückkäufe zur Liquiditätsstützung am langen Ende wurden im August auf mindestens 4 Mrd. US-Dollar pro Operation verdoppelt und bleiben bis Anfang November in Kraft.2 Die begrenzte Wirkung auf die Renditen bestätigt den Eindruck, dass Investoren auf die zugrunde liegende Haushaltslage und nicht auf kurzfristige Marktstützung blicken. Finanzminister Scott Bessent hat seine Rhetorik zudem abgeschwächt. Er räumte ein, dass das Finanzministerium den Anleihemarkt nicht einfach kontrollieren kann, und verwies stattdessen auf höhere Ölpreise als wichtigen Treiber des Renditeanstiegs.
Die Fed zwischen zwei Feuern
Die geldpolitischen Signale blieben zugleich ungewöhnlich gemischt. Einige Fed-Vertreter betonen weiterhin die erhöhte Inflation, andere verweisen auf wachsende Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt. Die Beschäftigungszahlen für September fielen deutlich schwächer aus als erwartet und drückten die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober von 71 % vor drei Wochen auf 23 %. Trotz dieser Bewegung erwarten die Märkte nach wie vor, dass die Inflation und nicht die Beschäftigung die nächste wichtige geldpolitische Entscheidung bestimmt.
Das erklärt zum Teil, warum das schwächere Arbeitsmarktbild keine deutlichere Rally bei Bitcoin ausgelöst hat. Die Wirtschaftsaktivität bleibt vergleichsweise robust: Die PMIs dieser Woche deuten weiter auf Expansion, während die Konsumausgaben und andere Aktivitätsindikatoren sich besser halten als die Arbeitsmarktdaten vermuten lassen.3 Gleichzeitig bleiben die Energiepreise hoch, teils wegen des Iran-Konflikts, was die Fed vor eine unangenehme Kombination aus schwächerer Beschäftigung und anhaltendem Inflationsdruck stellt.
Aus unserer Sicht spiegelt die fehlende Dynamik bei den Zuflüssen Unsicherheit wider, nicht eine Verschlechterung der Fundamentaldaten. Investoren versuchen, drei widersprüchliche Signale miteinander in Einklang zu bringen: eine schwächere Beschäftigung, eine hartnäckige Inflation und eine zunehmend unangenehme Haushaltslage.
Warum der Anleihemarkt wichtiger sein könnte als die Fed
Von diesen drei Signalen dürfte sich der Anleihemarkt letztlich als das wichtigste erweisen. Der September war der schlechteste Monat für US-Staatsanleihen seit vier Jahren: Die zehnjährige Rendite stieg um mehr als 50 Basispunkte. Höhere Renditen würden Bitcoin normalerweise über straffere Finanzierungsbedingungen belasten. Spiegeln diese Renditen aber zunehmend Sorgen um die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen und nicht stärkeres Wachstum, ändert sich die Lesart. Bitcoin erscheint dann weniger als konventionelle Risikoanlage und mehr als Alternative zu staatlich ausgegebenem Geld.
Der Markt hat diese Frage noch nicht entschieden. Der Arbeitsmarkt schwächt sich ab, das Wachstum hält sich, und die Inflation bleibt die Hauptsorge der Fed. Diese Kombination hat genügt, um Bitcoin schrittweise steigen zu lassen. Die schleppende Aufwärtsbewegung könnte in einen Ausbruch münden, wenn die Zuflüsse dem haushaltspolitischen Argument und nicht dem Zinsargument folgen. Das ist die Zahl, die in den kommenden Wochen zu beobachten ist.
Quellen:
US-Finanzministerium, Daily Treasury Par Yield Curve Rates, Oktober 2026
US-Finanzministerium, Ankündigungen von Rückkaufoperationen, August bis Oktober 2026
S&P Global, US-PMI, Oktober 2026
Veröffentlicht amOkt 8th, 2026